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Rückschau BIM-Kongress 2014 in Gießen

Kernthema: Planungsmethode mit Softwareunterstützung

 

BIM-Kongress 2014 in Gießen

BIM-Kongress 2014 in Gießen (Foto: BVBS)

Die Planungsmethode Building Information Modeling, kurz BIM, gewinnt an Bedeutung. Noch fehlt aber die Akzeptanz in der Breite. Um Vorurteile abzubauen, die Vorteile von BIM zu vermitteln und einen Blick über den nationalen Tellerrand zu geben, veranstaltete der Fachbereich Bauwesen der Technischen Hochschule Mittelhessen in Kooperation mit dem Bundesverband Bausoftware e.V. am 30. April 2014 veranstaltete einen BIM-Kongress.
„BIM ist eine wichtige Frage der Baukultur“, forderte Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Udo F. Meißner die rund 150 Gäste der Veranstaltung auf, sich dem Thema zu widmen: „Es ist bekannt, dass Fehler, die man am Anfang macht, später nur schwer korrigierbar sind.“ Zudem sei BIM für die folgenden Prozesse der Bewirtschaftung wichtig. Um BIM mit Leben zu füllen, müssten die Kooperationsprozesse am Bau umgestaltet werden. Seien bisherige Ansätze zur Zusammenarbeit am Bau an der Praxis gescheitert, hätte Bim heute deutlich bessere technische Grundlagen als Basis.

Solchermaßen positiv eingestellt, referierte Prof. Robin Drogenmuller, Queensland University of Technology, Australien, als Keynote-Speaker über die Umsetzung von BIM in Australien. Dabei zeigte er anhand konkreter Beispiele auf, dass sich Unternehmen, die BIM bereits einmal eingesetzt haben, die Methode schon nach kurzer Zeit aus Überzeugung in immer mehr ihrer Projekte einsetzen würden. Als überzeugendes Argument nannte er: „People use BIM, because they are making money.“

Prof. Robin Drogenmuller, Queensland University of Technology, Australien

Prof. Robin Drogenmuller, Queensland University of Technology, Australien (Foto: mcl)

Dipl.-Ing. Uwe Wassermann, der durch seinen Beruf als Director AEC bei Autodesk und zahlreiche Auslandsreisen einen Überblick über die internationalen BIM-Aktivitäten hat, erörterte das Thema „BIM – Der intergrierte Prozess setzt sich durch“. Er zeigte die Entwicklungen in den großen Märkten weltweit auf. Dabei wurde deutlich, dass in Deutschland bei der Umsetzung durchaus noch Nachholbedarf besteht. Er gab kritisch zu bedenken, dass sich die Produktivität in der Bauindustrie gegenüber anderen Bereichen rückläufig entwickeln würde. Vorhandene Daten müssten intensiver genutzt werden. So intensiv in die Thematik eingeführt, ging es in den folgenden Beiträgen konkret in die Anwendung und Umsetzung von BIM.

Martin Schuff, Bechmann + Partner, verband in seinem Vortrag BIM mit der AVA und zeigte so, wie Kosten und Geometrie mit moderner Softwareunterstützung in der Praxis zusammenkommen können.

Das Thema BIM für Energiefachberater bereitete Dipl.-Ing. Sven Kirchhoff, Solar-Computer, gekonnt auf. Bei der Energieberatung erleichtere ein 3D-Modell die Aufgabe deutlich. Sein wichtiges Fazit lautete: Die Energieberatung ist in den BIM-Prozess integrierbar.

In einem gemeinsamen Vortrag stellten Dipl.-Ing. Wilhelm Veenhuis, MWM, und Dipl.-Ing. (FH) Richad Bayer, BIB, das Zusammentreffen von GAEB/REB und BIM in der bisherigen Entwicklungsgeschichte gleichermaßen unterhaltsam und informativ vor. Zwar seien die beiden Welten bislang verschieden aufgebaut, doch kommen sie einander zunehmend näher und wachsen in einigen Bereichen zusammen, so hier das Fazit.

Dr. Klaus Schiller, DBD, erklärte den Zuhörern, auf äußerst bildhafte Weise, wie der BIM-Fluss im IFC-Flussbett, das die Grundlage des Datenaustausch bildet, die Softwarewelten am Bau miteinander verbindet. Die zunehmende Komplexität in der Software wird als Dimension bezeichnet, so dass über die bekannten Schritte vom 2D-Modell zum 3D- und 4D-Modell (Raum und Zeit), um weitere Dimensionen bereichert werden kann. So kann als fünfte Dimension die lokale Zuordnung von Preisen und als sechste der ökologische Kennwert verstanden werden. Somit sind auch 6D-BIM-Modelle in greifbare Nähe gerückt.

Rainer Diehl, RIB, ging mit seinem Beitrag zu BIM-5D auf diese Vorlage ein und erläuterte das 5D-Bauwerksmodell (3D-Geometrie + Zeit + Kosten), das mit dem MultiModellContainer (MMC) anschaulich dargestellt werden könne. Der MMC beinhaltet Rohbaumodell. LV-Rohbau, Mengen-LV und den Terminrahmen und führt so die Daten zu einem Bauprojekt zusammen. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Managementführungssystems für die partnerschaftliche, prozessgesteuerte und risikokontrollierte Abwicklung von Bauprojekten.
In die Baupraxis ging Dr.-Ing. Ursel Jansen, Goldbeck GmbH, ein, die die Einführung eines BIM-Bausteins in einem Planungs- und Bauunternehmen aufzeigte. Dabei ging sie auf Schwierigkeiten und den zu bewältigenden Aufwand ebenso ein, wie auf die Vorteile, die letztlich durch eine moderne Software erzielt werden können. Dass eine klare Zielsetzung bei der Einführung vorhanden sein solle, sei eine Grundbedingung für den Erfolg, führte sie aus. Goldbeck habe dafür eine BIM-Strategie entwickelt.

Dipl.-Ing. Armin Dariz, Bimotion GmbH, ein Mitglied der Sofistik-Gruppe, erläuterte den BIM-Workflow im Ingenieurbau. Dabei ist ein Bewehrungsplan in der Softwaredarstellung symbolisch zu sehen und kein reales Abbild des 3D-Modells. Denn in der Plandarstellung ist die Ansicht jedes Stück Bewehrungsstahls und der Ansicht aller Lagen nicht von Interesse.
Es zeigte sich also durchaus, dass es zwischen Theorie und Praxis noch Abweichungen gibt. So war der BIM-Kongress eine Veranstaltung, die einen Blick in die Gegenwart und die Zukunft von BIM aufzeigte. Insbesondere die Querverweise auf die Inhalte anderer Referenten zeigten immer wieder deutlich auf, dass BIM vom Informations- und Wissensaustausch lebt.

Fazit

Der BIM-Kongress zeigte strukturierte Wege der Anwendung und der Umsetzung des BIM-Konzeptes. Dass BIM alle am Bauprozess Beteiligten ansprechen sollte, zeigte die Unterstützung der Architektenkammer wie der Ingenieurkammer Hessen, die für die Veranstaltung Fortbildungspunkte vergaben.
Dass noch ein weiter Weg bis zur Etablierung von Building Information Modeling zurückzulegen ist, brachte abschließend Prof. Dr.-Ing. Joaquin Diaz, Vorstandsvorsitzender des BVBS, auf den Punkt: „Wir stecken bei BIM noch in den Kinderschuhen. Es muss noch fehlerfreier werden und es wird, vor allem in Deutschland, noch zu wenig eingesetzt.“ Dafür dürften Folgeveranstaltungen beitragen, die für die kommenden Jahre geplant sind, die nächste schon 2015.

Darum kann BIM auch wertvoll sein

Eine Simulation vor Baubeginn zeigt Fehler auf und kann auch dem Bauherrn präsentiert werden, so dass er fundiert und nicht nur aufgrund von einigen Plänen entscheiden kann, ob er sein Projekt auch in der Realität so umgesetzt haben wolle.

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