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Das Heidelberger Schloss auf 3 GB

Aufwendige Simulation

In der Simulation von Julian Hanschke vom Institut für Kunst- und Baugeschichte am KIT wurde das Heidelberger Schloss auf 3 GB Daten nachmodelliert.

In der Simulation von Julian Hanschke vom Institut für Kunst- und Baugeschichte am KIT wurde das Heidelberger Schloss auf 3 GB Daten nachmodelliert (siehe auch Computer Spezial 1/2017 Seite 12).
(Bild: KIT)

Das Heidelberger Schloss gilt es nicht nur als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen, sondern gehört mit 1,1 Mio. Besuchern pro Jahr zu den Touristenmagneten in Deutschland. Nach der Sprengung der Wehranlagen durch die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV., wurden ihre Überreste zum Inbegriff der deutschen Romantik. Ein Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat das Schloss als dreidimensionale virtuelle Rekonstruktion in seiner ganzen Pracht nachmodelliert.

In der Simulation von Julian Hanschke vom Institut für Kunst- und Baugeschichte am KIT kann der Besucher den einst wuchtigen, dann zur Hälfte weggesprengten Dicken Turm besteigen, unter den Kreuzgratgewölben des Kaisersaals im Ottheinrichbau umherspazieren, den aus der antiken Sagenwelt entlehnten Figurenschmuck an der Fassade des an einen venezianischen Palazzo erinnernden Friedrichsbau betrachten oder den 360-Grad-Blick durch den Schlosshof im Jahre 1683 schweifen lassen.

Die Rekonstruktion des Architekturhistorikers übertrifft dabei den Detailreichtum, mit dem etwa die Entwickler der populären Computerspielreihe „Assassin´s Creed“ in jahrelanger Kleinarbeit die Wahrzeichen des renaissancezeitlichen Konstantinopel, des revolutionären Paris oder des viktorianischen London nachbauten.

Der Aufwand für den digitalen Wiederaufbau war beträchtlich: Anhand historischer Pläne, Ansichten und Zeichnungen müsse am Computer jedes Detail nachmodelliert werden. Zwar ähneln sich die Arbeitsweise der Erbauer imaginärer Spielwelten und des Architekturhistorikers in gewisser Weise. Allerdings sei diese Rekonstruktion keine Fantasiewelt, sondern ein wissenschaftlich akkurater Nachbau, der bis in die kleinste Einzelheit auf historischen Quellen fuße, betont Julian Hanschke.

In fünf Jahre Forschungsarbeit wurde gewaltige Datenmengen angehäuft. Der sich in der Realität über 270 m x 280 m ausdehnende Gebäudekomplex nimmt auf der Festplatte letztlich rund 3 GB Speicherplatz ein. „Für die Renderings habe ich die Programme Rhino und Cinema4d verwendet“, berichtet Julian Hanschke.

Für die historisch und räumlich stimmige Nachbildung von Gewölben wie etwa dem verschwundenen Theatersaal im Dicken Turm oder dem Dekor auf Friesen, Fensterstürzen und Säulenkapitellen sei ein tiefes Verständnis für die zugrundeliegenden Konstruktionen nötig, so Julian Hanschke. Wissen, über das die Architekten der Gegenwart meist nicht mehr verfügten. „Seit dem Bauhaus gibt es ja kein Ornament mehr“, konstatiert der Bauhistoriker. Seine Bewunderung für die alten Baumeister kann er nicht verhehlen. Die hätten für die Ewigkeit gebaut.

Eine interaktive Ansicht des Schlosshofes gibt es unter http://360.schloss-heidelberg.de/innenhof/.

 

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