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Skulpturaler Schwung

Tragwerksplanung für einen Messeauftritt

Im September 2015 stand das Frankfurter Messegelände ganz im Zeichen des Automobils – die Internationale Automobil-Ausstellung IAA hatte Ihre Tore für über 930.000 Besucher geöffnet. Als einer der Akteure präsentierte sich der Automobilhersteller Daimler AG in der Frankfurter Festhalle. Der denkmalgeschützte Kuppelbau bot die Kulisse für die Inszenierung der Marke Mercedes-Benz – die Architektur des eindrucksvollen Messeauftritts wurde von jangled nerves, Stuttgart, ausgearbeitet. Als Spezialisten für geometrisch komplexe Tragwerke im Stahl- und Membranbau haben die Ingenieure von formTL bereits zum 11. Mal die Tragwerksplanung des Mercedes-Benz-Messestandes auf der IAA mitverantwortet.

Prägendes Element des Messeauftritts war der „Silver Flow“ – eine dynamisch geformte Großskulptur aus silbernen Aluminium-Lamellen, die scheinbar schwerelos in der über 100 Jahre alten Halle schwebt. Den offen gestalteten Zentralraum umschließen drei Ausstellungs­ebenen mit über 9.000 m2 Fläche. Eine Rolltreppe nahm die Besucher von der Live-Bühne im Erdgeschoss auf eine Höhe von 13 m mit. Dort startete der Ausstellungsrundgang mit unter­schiedlichen Themenräumen, die vom „Silver Flow“ begleitet werden.

Im Detail besteht der „Silver Flow“ aus über 400 einzelnen, auskragenden Lamellen mit maximal 10 m Länge, die aneinander gereiht eine Länge von über zwei Kilometern ergeben. Für die geometrische Ausrichtung der Lamellen wurden exakt justierbare Verbindungsdetails entwickelt. Werkseitig vormontiert, konnten die Lamellen so im engen Zeitrahmen montiert und justiert werden. Die große Flexibilität der Lamellenstruktur ermöglicht es, den Markenauftritt an die einzelnen Messestandorte anzupassen und in veränderter Geometrie erneut aufzubauen. Weiteres markantes Element ist das „Fahrzeug-Regal“, eine Art Setzkasten, der mit einem aktuellen Vertreter jeder Fahrzeugklasse bestückt ist.

Aufgrund der komplexen geometrischen und statischen Rahmenbedingungen des Bestandsgebäudes wurde das Tragwerk für den Messestand von formTL in 3D modelliert und berechnet. Eine besondere Herausforderung stellte die Lastabtragung in den Bestand dar – beispielsweise waren für die Realisierung des Messestandes Abfangungen und Verstärkungen im Untergeschoss der Festhalle erforderlich. Während Ebene 1 und 2 aufgrund der hohen Verkehrslasten als Stahlkonstruktion ausgeführt wurden, kam über der zweiten Ebene eine Holzkonstruktion zum Einsatz. Insgesamt wurden für den Messestand 850 t Stahl verbaut, darunter auch Bestandsstahl vorheriger IAA-Messestände. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte es, den Stand in ca. zweieinhalb Monaten aufzubauen.

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