„BauGPT“ als Werkzeug in der Bauindustrie
26.10.2023Programme der Künstlichen Intelligenz (KI) – „ChatGPT“, „Claude“, „Dall·E“ oder andere KI-basierte Anwendungen – rücken immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch in der Bauindustrie kann KI oft genau die Arbeit übernehmen, die viel Zeit kostet und Menschen selten Spaß bereitet, meint Jonas Stamm, Softwareexperte und einer der Gründer des Unternhmens Crafthunt. Daraus entstand für ihn die Motivation, eine Branchenlösung für die Bauindustrie auf Basis von „ChatGPT“ zu entwickeln. Dazu erklärt Stamm: „Für ein privates Bauvorhaben von meinem Vater habe ich Informationen in der Landesbauverordnung gesucht. Aus dem ‚ich schau kurz mal nach‘ wurde dann ein viel längeres Projekt, als ich gehofft hatte. Die Verordnung ist umständlich geschrieben und wirklich sehr, sehr lang.“ Vor diesem Hintergrund suchte Stamm nach einer praktikablen Lösung. Gefunden wurde dies in „BauGPT“, Crafthunts eigener KI, die mittlerweile folgende Themengebiete abdeckt:
- Bauvorschriften und -gesetze: Informationen zu den relevanten Bauvorschriften und -gesetzen in Deutschland, einschließlich der Landesbauordnung, Energieeinsparverordnung, Baunutzungsverordnung und mehr
- Bauphysik: Themen wie Schall- und Wärmeschutz, Feuchtigkeit und Kondensation, thermische Behaglichkeit und mehr
- Bautechnische Standards: Informationen zu den technischen Standards und Vorschriften für verschiedene Aspekte des Bauwesens, einschließlich der DIN-Normen, VOB, HOAI und mehr
- Bauplanung und -management: Informationen zur Planung und Verwaltung von Bauprojekten, einschließlich des Projektmanagements, der Kostenplanung, der Terminplanung und mehr
- Baustoffe und -techniken: Informationen zu Baustoffen und Bauverfahren, einschließlich traditioneller und moderner Techniken, nachhaltiger Bauweisen und mehr
Jonas Stamm (links) und Dr.-Ing. Patrick Christ (rechts) wollen der Bauindustrie mit BauGPT eine Branchenlösung aufzeigen.
Bild: Crafthunt
„Ich hoffe sehr, dass alle Nutzerinnen und Nutzer so mehr Zeit für die wirklich wichtigen Themen haben, wie beispielsweise den persönlichen Austausch mit Auftraggebern und Beschäftigten. Das kann so schnell keine KI ersetzen“, so die Einschätzung von Stamm. Der Unternehmer sprach mit mehr als 50 Bauleitern, Technikern und Studierenden. Gemeinsam mit den Fachleuten fand er heraus, welche Bauverordnungen und Sachverhalte schwer zu lernen waren, welche Normen immer wieder nachgeschlagen werden müssen und wofür Menschen aus dem Bau sich Hilfe wünschen. Stamm recherchierte diverse Verordnungen, wie Landesverordnungen sowie die Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen. Ebenso sind Richtlinien aus den Bereichen Vertrags- und Arbeitsrecht, Normen für nachhaltiges Bauen und Rechtsprechungen zu unterschiedlichen Fällen in „BauGPT“ verarbeitet worden.
„Dabei war das Verrückteste, dass es manchmal gar nichts Digitales gab. Wir haben Verordnungen postalisch angefordert und dann zugeschickt bekommen. Die mussten wir dann erstmal digitalisieren, bevor wir es 'BauGPT' geben konnten“, erzählt der 31-Jährige. Das zeige auch, dass Google an dieser Stelle keine Alternative zu „BauGPT“ sei. Darüber hinaus finde man in Suchmaschinen zwar zumeist die richtigen Verordnungen, bei denen aber aus schwer verständlichen Texten die richtige Passage herausgesucht werden müsse. „Und wenn noch etwas fehlt und BauGPT mal ratlos ist, freue ich mich über eine kurze Nachricht. Denn das ist sowohl das Gute an der KI als auch an dem Menschen: Wir sind beide lernfähig!“
Auf der Webseite von Crafthunt lässt sich mit „BauGPT“ über die genannten Themengebiete kommunizieren.